Die Geschichte der Astrocam-Rakete hat einen seeeeeeehr langen Anfang und ein ebenso kurzes Ende. Aber doch zunächst zum Anfang: Vor einigen Jahren trafen sich vier von Vorlesungen gelangweilte Elektrotechnik- und Maschinenbau-Studenten (Ja, daraus kann nichts Gescheites werden...) in einer Mensa. Sie beschlossen nach dem leckeren Essen und einigen Kaffees dem Himmel näher zu kommen. Dafür bedarf es natürlich einem Raketenantrieb, der auch schnell in einem (ostfriesischen) Elektronikversand-Katalog gefunden war. Lange Rede, kurzer Sinn — die vier beschlossen einmal am Abend nicht durch die Kneipen zu tingeln, sondern stattdessen einen Modellbaurakete zu kaufen. Die Rakete wurde schon am nächsten Tag bestellt und auch binnen drei Tage von dem (ostfriesischen) Versandhaus geliefert. Jetzt mussten sich die die fantastisierten Vier nur wieder treffen und die Rakete starten lassen...
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... aber das war dann doch schwieriger als erwartet. Mittlerweile verloren die Bäume ihre Blätter. eine Schneedecke legte sich über das Land... um Monate später wieder aufzutauen... als die Bäume wieder Blätter bekamen versteckte der Osterhase schon seine Eier... der Sommer kam ... und ging... die Bäume verloren wieder ihre Blätter... Winter.. Sommer... Winter... Sommer... Winter...
Inzwischen lebte der Eine schon in Hamburg, der Andere in Holland und ein Weiterer noch entfernter von Aachen weg (Euskirchen, Eifel).
Doch eines Tages trafen sich drei der vier zu Party und meinten, dass das Warten nun ein Ende haben müsse. Der Tag sei gekommen und sie machten sich mit zwei anderen Dahergelaufen auf, das Werk zu vollbringen.
Das war der lange Anfang. |
Der Start der Rakete sollte elektrisch erfolgen, doch anscheinend hatten die Elektrozünder die Jahre nicht überstanden, was zu Ungeduld führte. Man versuchte es stattdessen mit althergebrachten Lunten. Diese funktionierten auch, nur, dass sie ebenfalls schon was älter waren. Die erste hat dann vor dem Zünden des Treibsatzes die Metallplatte, die den Boden schützen soll mit der Rakete verschmolzen. Verklebt waren eigentlich nur zwei winzig kleine Plastikteilchen, aber es hat gereicht um eine regelrechte Schubumkehr zu bewirken, woraufhin die Rakete eher in den Boden gedrückt wurde als abzuheben...
...bis die 0.5mm dicke Stahlplatte durchgebrannt war und sich die Rakete endlich — mitsamt der Stahlplatte — in die Lüfte bewegte. Nach zwei Metern Höhe war der Treibsatz allerdings schon ausgebrannt. Supi. |
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Durchgebrannt.
(zur Vergrößerung die Maus über das Bild bewegen!) |
rocket_1.avi
(8MB) |
Der zweite Versuch mit Steinen zwischen den Plastik- und Metall- Teilen war dann schon etwas erfolgreicher: Wenn man sich das Video dazu anschaut, sieht man, dass wir Glück hatten überhaupt noch einen weiteren Start unternehmen zu können! Die Astrocam heißt übrigens Astrocam, weil sie ein Foto macht, wenn der Landefallschirm ausgeworfen wird. Diese tollen Fotos aus ca. 150m Höhe wolle ich hier natürlich präsentieren. Die Frage warum ich das nicht machen kann, bringt uns direkt zu dem schnellen Ende der Geschichte: |
Die blöden Studenten mussten natürlich gleich ausprobieren, mit welchem Winkel sich die Rakete am weitesten schießen lässt... und das war dann beim vierten Versuch tatsächlich so weit, dass die Rakete in einem anliegenden Weizenfeld landete (wovon es natürlich kein Video gibt). Wie es Murphy's law schon voraus sagt, ist in genau diesem Flug auch noch der Fallschirm abgerissen. Dieser hätte die Rakete normalerweise sanft zur Erde gebracht, beziehungsweise oben auf dem Weizen liegen lassen, sodass man sie schon von weitem aus hätte sehen können. |

rocket_2.avi
(9MB) |
Naja, gut. Die Rakete war nach dem vieren Start weg und die Astrocam wurde wahrscheinlich 2 Wochen später von einem Mähdrescher in Stücke gerissen, wobei die geschossenen Bilder der gleißenden Augustsonne zur Vernichtung preisgegeben wurden. Alles, was uns bleibt sind diese zwei Videos von erfolgreichen Starts, sowie die Erinnerung an klasse Mochitos, die es anstatt weiterer Raketenstarts gab, aber das ist einen ganz andere Geschichte...
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