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Bierbrauen - eine Konzentrationsfrage!
 
Es war ja alles nur eine Frage der Zeit. Irgendwann will jeder, der sich selbst als Bastler und Bierliebhaber bezeichnet, sein eigenes Bier brauen! Da das Maischen, läutern und Würzekochen einen sehr schwierigen Prozess darstellt, und dieser auch unter dem Einsatz von viel Technik geschehen muss, hatte ich dieses Projekt gedanklich noch weit in die Zukunft verschoben. Man schaue sich mal diese Beschreibung des Brauvorganges von Bier.de an! Früher oder später werde ich diesen ganzen Krampf auch mit Freude und selbstgebauten Apparaturen durchführen, doch erst, wenn ich genug Platz und Geld habe. Jetzt — oder besser gesagt vor Anno 2003 — habe ich erstmal ein wenig gemogelt und das Bier mit Hilfe eines Bierwürzekonzentrats gebraut, welches ich samt eines ganzen Haufen von Geräten und Zutaten von Ariane zu Weihnachten bekommen habe.

Kleine Kraftprotze mit Blähungen
 
Die Hefe befand sich in einem Plastikbeutel, in dem noch ein zweiter Plastikbeutel mit Nährlösung versteckt war. Als erstes muss man die Hefe aktivieren, sprich: Man muss den inneren Beutel zum platzen bringen, ohne den äußeren Beutel zu beschädigen. Also ganz vorsichtig! Nach 10 Minuten ganz vorsichtiger aber auch genauso ganz unerfolgreichen Versuchen habe ich dann die Geduld verloren und mit der Faust draufgehauen... und siehe da... geschafft! Nun konnte die Hefe wieder zum Leben erwachen. Während sie sich über die Tütennahrung hermacht, vermehrt sie sich fleißig. Auch produziert sie ein Gas, welches die Tüte aufbläst. Und zwar ordentlich: Nach 5 Tagen konnte man die Tüte nicht mal mehr mit dem Finger eindrücken! Seit dem habe richtig Respekt vor den kleinen Dingern - das hätte ich ihnen nicht zugetraut. Mit dieser reifen Leistung hatten sie sich mehr verdient - nämlich:

Eimersaufen
 
10 Liter Bierwürze fast der Braukessel - oder besser gesagt: Braueimer. In ihn kam die Bierhefe zusammen mit dem Bierwürzekonzentrat, Wasser, Zucker und Hopfen. Auch der Hopfen kommt in Form eines Extraktes daher. Mit einer Pipette wird er aus kleinen Fläschchen hinzu gegeben. Hier kann man mit der Menge und der Art des Hopfens den Geschmack des Bieres beeinflussen. Wir haben uns eine Reihe von "Rezepten", angeschaut und verglichen: da der Norddeutsche an sich - und die Französin im speziellen - ja gerne herbes Bier mögen haben wir uns beispielsweise für eine hohe Dosis entschieden. Die Zusammenstellung von verschiedenen Hopfensorten, Hefearten und Bierwürzekonzentraten ergibt auch unterschiedliche Geschmäcker. Wir haben das Ganze gleich viermal nacheinander mit unterschiedlichen Rezepten ausprobiert, so entstanden Boernson-Bräu, 2 Weizensorten (Blanchard-Bière und Weisslers Weiße), sowie das untergärige Boernson-Bier nach Pilsener Brauart.

Das große Geblubber
 
Die Hefe hat in den nächsten Tagen den gesamten Zucker "auffressen". Dabei entstehen Aromastoffe, die ganz spezifisch für die Sorte der Hefe sind. Früher hat einfach irgendeine zufällig hinzugekommene Hefe aus der Umgebungsluft diese Funktion übernommen, wobei der Geschmack dementsprechend mal gut und mal nicht so gut war. Diese fremden Hefen können Milch- oder Essigsäure produzieren, was nicht besonders lecker ist. Kurzum: Der Eimer soll möglichst hermetisch von der Außenwelt abgeschlossen sein. Jetzt macht die Hefe aus dem Zucker aber nicht nur Aroma und Alkohol, sondern auch ein Gas, welches entweichen muss. Die Lösung ist ein Gärröhrchen, welches das Gas aus dem Behälter entweichen lässt, wenn es zu viel Druck aufgebaut hat. Die Außenluft mit normalem Druck kommt aber nicht hinein. Das ganze funktioniert, indem ein wenig Wasser in einem "U-Rohr" gefangen wird. Dieses wird von dem Gas so weit in den aufsteigenden Teil gedrückt, bis es als große Blasen durch das Wasser in die Freiheit blubbern kann. Und dieses Blubbern ist richtig laut, denn schließlich sitzt das Röhrchen in der Mitte des Deckels und der verstärkt den Lärm gehörig. Aber bis das Bier zum ersten Mal blubbert dauert es ein paar Tage. Es sind ja noch relativ wenige Hefen am Werk. Wie der Zufall es will blubberte es das erste Mal mitten in der Nacht, was dazu führte, dass ich senkrecht im Bett stand und erst mal überhaupt nicht wusste, was los war. Die Hefen vermehrten sich munter und mit der Zeit das Blubbern war immer häufiger zu hören. Über Wochen hörten wir alle paar Minuten dieses Blubbern. Blubbern morgens, Blubbern mittags, Blubbern abends, Blubbern nachts. Es war so laut, dass man am Telefon erklären musste, was das denn gerade war - ein simples "gestern gab es in der Mensa Bohnen" hat uns irgendwann keiner mehr abgenommen.

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